Konzeptvorstellung: Plot-Patenschaft

Ein Konzept, das schon länger in unserem Verein existiert und auch bereits in der Praxis erprobt ist, ist unser Konzept der Plot-Patenschaft. Die Plot-Patenschaft ist ein Partizipations-Konzept zur aktiven Einbindung der Spieler_innen in die Gestaltung des LARPs.

Heute wollen wir euch dieses Konzept näher vorstellen und euch einladen, es als Orga auch mal auf einer eurer Veranstaltungen auszuprobieren. Hierbei stehen wir euch gerne beratend und unterstützend zur Seite und freuen uns über Rückmeldungen, wie das Ganze bei euch funktioniert hat, auf welche Schwierigkeiten ihr gestoßen seid und welche Erfolge ihr damit hattet. Dabei würden wir uns freuen, wenn ihr auf eurer Veranstaltung transparent macht, dass ihr ein Konzept verwendet, dass aus unserer Feder stammt.

Aber nun zum eigentlichen Konzept:


Was genau ist eine Plot-Patenschaft?
Bei einer Plot-Patenschaft erklärt sich ein Spieler, eine Spielerin oder eine Spielergruppe als „Plot-Pate/Patin“ bereit, parallel zum von der SL organisierten Hauptplot, einen Kleinplot für einen anderen Spieler, eine andere Spielerin oder eine andere Spielergruppe zu organisieren und diesen in-time mit seinem oder ihrem Charakter umzusetzen. Es muss und soll also niemand für eine Patenschaft aus seinem Charakter heraus gehen und out-time sein – die Plot-Patenschaft kann und soll so angelegt werden, dass sie in-time mit dem eigenen Charakter vereinbar und steuerbar ist.

Das Ausmaß dieses Kleinplots kann der Pate bzw. die Patin selbst bestimmen. Ob das nun eine Meisterprüfung ist, die sich über das ganze LARP zieht oder nur eine kleine Spielszene, die dem anderen Spieler eine Stunde persönliches und schönes Spiel bereitet – der Möglichkeiten sind gar viele.
Unterstützt wird der Pate bzw. die Patin dabei von einem speziellen Mitglied der SL, das für die Patenschaften zuständig ist – sowohl im Vorfeld in der Planung des Kleinplots als auch auf dem LARP selbst z.B. durch Bereitstellung von NSCs, Material oder SL-Präsenz.


Warum machen wir das?
Unserer Erfahrung nach ist das, was ein LARP zu etwas Besonderem macht, häufig die persönliche Ansprache des eigenen Charakters und/oder die Möglichkeit ist, etwas aktiv zu tun und zu bewirken. Live-Rollenspiel lebt, wie wir alle wissen, vom ehrenamtlichen Engagement – dem der Organisator_innen, der NSCs und der Spielerinnen und Spieler. Nicht jeder fühlt sich zur Spielleitung oder zum Veranstalter berufen, hat aber vielleicht trotzdem gute Ideen für kleine Szenen, Plots oder ähnliches.

Häufig befinden sich Spieler_innen auf einem LARP in einer reinen Konsumenten-Rolle – man konsumiert das (oder muss das konsumieren), was die SL einem vorsetzt. Das passt nicht immer zum eigenen Konzept oder der eigenen Einstellung zu LARP. Oder der eigene Charakter hat – aus welchen Gründen auch immer – keine Möglichkeit, am Hauptplot zu partizipieren. Dies ist nicht immer vollständig befriedigend (auch für die SL nicht) und für viele Spieler_innen auch oft ein Grund, das Hobby Live-Rollenspiel vielleicht ganz an den Nagel zu hängen.
Einen Weg aus dieser Situation sehen wir in der aktiven Beteiligung am Spielgeschehen – und das vielleicht nicht nur in-time mit meinem eigenen Charakter am Plot der SL, sondern eben ggf. auch als Spielmacher für andere Spieler_innen. LARP 2.0 sozusagen. Von Spieler_innen für Spieler_innen.
Auch vor dem Hintergrund, dass etwas zu erschaffen häufig befriedigender ist, als etwas bloß zu konsumieren.


Muss jeder Spieler/jede Spielerin da mitmachen?
Nein, natürlich nicht. Plot-Patenschaften sind vollkommen freiwillig und es wird niemand gezwungen, etwas zu tun, was er oder sie nicht möchte. Auf unseren Anmeldungen gibt es immer die Möglichkeit, Plot-Patenschaft auszuschließen.

Wir bitten unsere Spielerinnen und Spieler jedoch, die Möglichkeit nicht von vorne herein direkt abzutun, sondern vielleicht tatsächlich einmal kurz (oder auch länger) darüber nachzudenken, ob sie sich nicht doch vorstellen könnten, sich für andere Spielerinnen und Spieler zu engagieren und aktiv zu werden – und dabei zu bedenken, dass etwas für andere zu tun durchaus sehr befriedigend sein kann.


Wie wird so eine Plot-Patenschaft praktisch umgesetzt?
Das Vorgehen ist folgendes:
Die Teilnehmer_innen kreuzen auf ihrer Anmeldung NICHT an, dass sie auf keinen Fall eine Plot-Patenschaft übernehmen möchten bzw. einen persönlichen Plot bekommen möchten. Nachdem die Anmeldungen und Charaktere bei der Spielleitung eingegangen sind, schauen wir, wer zu wem passen könnte. Z.B. könnte Hexe 1 als Plot-Patin für Hexe 2, die vielleicht noch eine aus ihrer Vorgeschichte hervorgehende (Lebens-) Aufgabe zu erfüllen hat, gut passen. Hexe 1 wird dann von uns angeschrieben, ob sie sich vorstellen könnte, eine Plot-Patenschaft zu übernehmen. Auch hierbei gilt wieder absolute Freiwilligkeit. Wenn ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin sich auf der Anmeldung potentiell zur Patenschaft bereit erklärt hat und von uns mit einer Patenschafts-Anfrage angeschrieben wird, aber dann merkt, dass er oder sie doch nicht möchte, hat der Teilnehmer/die Teilnehmerin natürlich immer noch die Möglichkeit, einfach abzulehnen.

Stimmt Hexe 1 zu, bekommt sie von uns Informationen über Hexe 2, aus denen sie einen Kleinplot für Hexe 2 erarbeiten kann. Dies erfolgt in enger Absprache mit der SL bezüglich benötigter Materialien, NSC-Einsatz und Platzierung des Kleinplots innerhalb des sonstigen Spielgeschehens.
Auf dem LARP erfolgt vor Spielbeginn noch eine kurze Absprache und dann kann es losgehen. Selbstverständlich steht den Spielerinnen und Spielern die SL, die für die Plot-Patenschaften zuständig ist, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Verfügung, wenn Unterstützung benötigt wird oder eine Frage auftaucht.

Hilfreiche Dokumente und Materialien für Orgas findet ihr hier.


Was sind die Vorteile für Spielerinnen und Spieler, wenn sie eine Patenschaft übernehmen?
Es gibt sicherlich viele Vorteile und jeder muss für sich entscheiden, welche davon für ihn wichtig sind und auf ihn zutreffen. Einige könnten z.B. sein:

  • Die Spielerin/der Spieler kann Ideen für Szenen und Kleinplots umsetzen/ausprobieren, ohne ein LARP selbst organisieren zu müssen und bekommt dabei Unterstützung von „professioneller“ Seite der SL.
  • Die Spielerin/der Spieler hat zusätzlich zum Hauptplot durch die SL eine gute Beschäftigung auf einem Con.
  • Die Spielerin/der Spieler hat selbst gestaltete Anknüpfungspunkte zu und Anspielmöglichkeiten mit anderen Charakteren, die ihn oder sie leichter ins Spiel bringen und von der SL unabhängig sind.
  • Die Spielerin/der Spieler macht einen anderen Spieler glücklich und bereitet ihm ggf. einen unvergesslichen LARP-Moment (gut fürs eigene Karma ;-D).
  • Die Spielerin/der Spieler beteiligt sich aktiv am Erfolg der Veranstaltung und kann selbst einen großen Teil dazu beitragen, dass es für ihn oder sie ein befriedigendes Wochenende wird.
  • Die Spielerin/der Spieler erschafft etwas und kann viele Erfahrungen daraus mitnehmen.
  • Die Spielerin/der Spieler möchte, dass jemand auch einmal für sie/ihn eine Patenschaft übernimmt und erhöht ihre/seine Chancen dadurch, dass sie/er bereit ist, auch selbst etwas zu tun.

Was sind die Vorteile für die Organisatoren und Spielleitungen?

  • Die SL muss sich nicht um den vollständigen Spielspaß jedes einzelnen Spielers kümmern, sondern kann einen Teil davon an die Spielerinnen und Spieler abgeben.
  • Daraus folgt, dass nicht mehr nur die SL alle Verantwortung für den Spielspaß der Teilnehmer_innen oder ein gutes Con/gutes Wochenende trägt, sondern diese Verantwortung gemeinsam mit den Spielerinnen und Spielern trägt.
  • Es entsteht eine engere Kooperation zwischen den Spielerinnen/Spielern und der SL – die Spielerinnen und Spieler werden aus ihrer reinen Konsumenten-Rolle enthoben und selbst aktiv einbezogen. Dies kann für beide Seiten befriedigender sein.
  • Die einzelnen Spielergruppen werden miteinander vernetzt. Dadurch verringert sich die Gefahr, dass größere Spielergruppen nur unter sich spielen und ggf. Plot horten.

Wie sind die Rückmeldungen der Spieler_innen zur Plot-Patenschaft?
Auf unserem letzten Con haben wir die Plot-Patenschaft zum ersten Mal umgesetzt und sie war ein voller Erfolg und für alle Seiten sehr befriedigend. Besonders erfreut waren wir von der großen Bereitschaft der Spieler_innen, eine Patenschaft zu übernehmen: 80% der Spieler_innen hatten sich im Anmeldeformular zur Teilnahme am Konzept bereit erklärt. Das hat uns positiv überrascht, mit einer so großen Beteiligung hatten wir nicht gerechnet.
Zusätzlich zu den vielen positiven mündlichen Rückmeldungen direkt auf dem Con, hier die Zitate aus den Evaluationsbögen zum Thema Plot-Patenschaft (kursive Klammern sind Ergänzungen der Zitate, um den Sinn zu erhalten):

  • „Super! Zu meinem „Plötchen“ nochmal Danke, Danke, Danke!“
  • „Gute Idee, aber es ist schwierig, einen Ansatzpunkt zu finden, an dem sowohl Plotpaten als auch Bespielter gleichzeitig am selben Ort sind und Zeit dafür haben“
  • „Sehr gute Idee. Hat mir viel Spaß gemacht, einen Plot zu entwerfen“
  • „Die Idee der Plot-Patenschaft finde ich sehr gut. Plot von Spielern für Spieler als zusätzliches Element habe ich bisher noch nicht erlebt. Da es auf den jeweiligen Charakter angepasst ist, bringt die (Plot-Patenschaft) zusätzliche Tiefe für den Charakter.“
  • „Großartige Idee. Das war das erste Larp seit Jahren ohne Samstag-Mittag-Loch.“
  • „Das Konzept finde ich eine sehr gute Idee. Leider habe ich keine Plot-Patenschaft für einen Mitspieler zugeteilt bekommen und mir ist auch nicht aufgefallen, daß mein Charakter entsprechend angespielt wurde.“
  • „Plot-Patenschaft war super! Tolles Spiel generiert.“
  • „Prinzipiell gut. Es ist recht anspruchsvoll sich etwas einfallen zu lassen, was dem Paten(kind) auch gefällt, gerade wenn man den anderen kaum kennt.“
  • „Plot-Patenschaft toll! Hat vor allem zu einer guten Spielatmosphäre beigetragen und dazu, dass viele Spieler auch mit Leuten aus anderen Gruppen viel gespielt haben – super!“
  • „Das Plot-Patenschaft-Konzept finde ich sehr interessant. Die Freiheit, dass die jeweilige Aufgabe/Geschichte auch nicht durchgeführt werden kann (da z.B. genug Plot) ist unglaublich angenehm.“

Was ist sonst noch zu beachten?

Anzahl der Plot-Patenschaften:
Je nach Aufwand der einzelnen Kleinplots muss die Orga schauen, wie viele Plot-Patenschaften sie zeitlich und personell stemmen kann. Gibt es viele Ideen, die hauptsächlich ohne die Begleitung der SL vor Ort auskommen, kann man mehr Plot-Patenschaften anleiten. Benötigen mehrere Kleinplots eine intensivere Betreuung, muss man schauen, wie viele Patenschaften man unterbringen kann. Auf unserem letzten Con hatten wir bei 50 Spieler_innen sieben Patenschaften, mit denen insgesamt ca. 20-25 Spieler_innen als Paten oder Patenkinder beschäftigt waren, die aber hauptsächlich ohne zeitintensive Betreuung durch die SL auskamen.

Vorgeschichten/Charakterbögen der Spieler_innen:
Um eine passende Verbindung (ein sog. „Match“) zwischen zwei Spieler_innen zu finden, muss ich als Patenschafts-SL mir die Vorgeschichten der einzelnen Spieler_innen anschauen und nach möglichen Anknüpfungspunkten für ein Matching suchen. Dazu haben wir unsere Anmeldebögen mit speziellen Fragen ausgestattet, die die Spieler_innen bei ihrer Anmeldung beantworten. Diese Fragen sind:

  • Besonderheiten deines Charakters (besondere Fähigkeiten, Gegenstände etc.)
  • Vorgeschichte und Werdegang des Charakters
  • Ziele und persönliche Motivation des Charakters (Was hat ihn/sie zum Reisen gebracht? Gibt es unerledigte Aufgaben im Leben des Charakters? Etc.)
  • Anspielmöglichkeiten durch die SL (Dunkle Geheimnisse, verflossene Liebschaften, offene Aufträge etc. – eben Anknüpfungspunkte für den Hauptplot oder Plot-Patenschaften)

Haben Spieler_innen eine sehr dünne Vorgeschichte und/oder keine Anknüpfungspunkte, eignet sich der Charakter nicht für eine Plot-Patenschaft – weder als Pate/Patin, noch als Patenkind.

Zeitfaktor Matching und Begleitung:
Das oben erwähnte Matching kostet Zeit, denn ich muss die Vorgeschichten durchforsten, mögliche Anknüpfungspunkte heraussuchen, einen passenden Paten finden und mit diesem in Kontakt treten. Da der Pate ja nicht die vollständige Vorgeschichte seines Patenkindes erhält, müssen passenden Punkte herausgesucht und entsprechend aufbereitet und zusammengefasst an den Paten weitergegeben werden. Dann hat der Pate bis zu einem festgesetzten Termin Zeit, sich ein Konzept zu überlegen und dieses mit mir abzustimmen. Es folgt die Feinabstimmung, zeitliche Einbettung in die Wochenendstruktur und ggf. Abstimmung bezüglich benötigter Materialien und NSC. Und das alles natürlich mal der Anzahl der Plot-Patenschaften.
Man sieht also, das Konzept ist nicht ganz unaufwendig und benötigt Zeit – ist aber jede investierte Minute wert.
Aus diesem Grund eignet sich das Konzept auch eher für kleinere Cons (bis 100 Spieler_innen) oder größere Orgas.


Wo finde ich Unterstützung, wenn ich das Konzept bei meinem LARP verwenden möchte?
Bei uns! Einfach an die Gesellschaft für Live-Rollenspiel e.V. wenden. Zuständig für das Themenfeld der Plot-Patenschaften und alle damit zusammenhängenden Fragen ist die 1. Vorsitzende Katharina Munz. Einfach eine Mail an info@gflr.de schreiben und wir helfen gerne weiter.

Oder schon mal einen Blick in den Orga-Support werfen, dort findet ihr alle Dokumente und Materialien, die ihr benötigt, um die Plot-Patenschaft selbst umzusetzen. Einfach hier klicken!

 

 

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