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Bericht vom Mittelpunkt 2015

„Mit der Morgenröte nach Oz“
20.-22. November 2015 auf der Freusburg bei Siegen
Von Katharina Munz


Am letzten Wochenende hat der Vorstand der GfLR e.V. den Mittelpunkt 2015 besucht, eine LARP-Konferenz, auf der Vorträge, Workshops, Mini-LARPs und allerlei anderes rund um das Thema Live-Rollenspiel angeboten werden.

Unsere Erwartung war, dort auf Gleichgesinnte zu treffen, die sich auf der Meta-Ebene über LARP austauschen, sich gegenseitig inspirieren und vielleicht noch die ein oder andere gute Idee für unsere eigene Arbeit mit diesem Thema aufzuschnappen.

Da manche Präsentationen parallel liefen konnten wir nicht alle angebotenen Vorträge und Workshops wahrnehmen. Deshalb mussten wir eine Auswahl treffen und haben uns folgende Vorträge und Workshops angeschaut: Mittelpunkt – eine Einführung, Larp und Steuern, Umgang mit Medien – Was tun, wenn RTL anruft, Kollektive Larp-Organisation, Grundlagen der Audiotechnik, Nie mehr Sonntags heiser! (Stimmbildung), Überleben im Auge des Shitstorms – Außenkommunikation für Orgas, Fördergelder für Liverollenspiele und Veranstaltungssicherheit.

MIttelpunkt 2015 Vortrag SonjaAußerdem haben wir selbst zwei Vorträge angeboten, einen zum Thema Plot-Patenschaft – Konzepterweiterung auf dem Weg zu LARP 2.0 (hier anschaubar – Flash Player erforderlich) und einen zum Thema Alternative Bewegungskonzepte im LARP (hier klicken zum Anschauen).
Das vollständige Programm des diesjährigen Mittelpunktes findet ihr hier.

Positiv hervorzuheben auf dem Mittelpunkt 2015 war für uns der Vortrag über das Thema Fördergelder im Liverollenspiel, bei dem wir eine sehr exklusive Vorführung erlebten – wir waren nämlich leider nur zu dritt mit dem Referenten Daniel Steinbach. Auf der einen Seite schön für uns, so konnten wir ihm Löcher in den Bauch fragen – auf der anderen Seite schade für Daniel und sein interessantes Thema, das Liverollenspiel noch einmal wirklich weiter bringen könnte. An dieser Stelle Danke an Daniel, dass er sich obwohl wir nur zwei Zuhörerinnen waren trotzdem die Mühe gemacht hat.

Auch der Workshop zur Stimmbildung Nie mehr Sontags heiser! von Henning Lechner hat uns gut gefallen und gute Grundlagen vermittelt. Auf der Fred-Verleihung haben wir einen schönen Einblick in andere, prämierungswürdige Projekte wie z.B. das LARP Hotel Stalin, das in einem ehemaligen Gefängnis stattfand oder das LARP Projekt Exodus, ein extrem aufwendiges Battlestar Galactica-LARP auf einem ausrangierten Zerstörer im Schiffsmuseum von Wilhelmshafen, bekommen.

Leider wurden unsere sonstigen Erwartungen, die wir an diese Konferenz gestellt hatten, nicht ganz erfüllt. Ein Großteil der Vorträge war leider für uns nicht so interessant wie angenommen, da sie sich hauptsächlich an Orga-Anfänger oder Neulinge im LARP zu richten schienen – und das obwohl eigentlich so gut wie keine LARP- oder Orga-Neulinge am Mittelpunkt teilnahmen.

Einige Vorträge wurden auch ihrem Titel nicht ganz gerecht, denn manchmal ging es in den entsprechenden Vorträgen um etwas ganz anderes, als eigentlich angekündigt bzw. suggeriert worden war. Manche Themen wurden nicht erschöpfend genug behandelt und blieben zu sehr an der Oberfläche – oder zumindest zu sehr für eine geplante Vortragszeit von 45-60 Minuten, in denen man eigentliche einiges an Inhalten hätte transportieren können.

Dies war aber zum Teil auch der Dynamik der Veranstaltung geschuldet, da viele Zuhörer sich mit Anekdoten und Kommentaren in die Vorträge der Referenten einmischten und so das ganze unnötig in die Länge zogen oder der Vortrag dadurch zu sehr vom Thema abschweifte, ohne dass einige Referenten in der Lage gewesen wären, dies zu unterbinden. Diese Kultur wurde manchmal noch dadurch gefördert, dass manche Referenten ihren Vortrag ohne die visuelle Unterstützung einer Präsentation hielten und keine klare Struktur im Vortrag zu erkennen war – was zu wilden, nicht immer zielführenden Diskussionsrunden und dem Austausch von LARP-Anekdoten anregte.

Ein weiteres Manko war in einigen Punkten leider auch die Rahmenorganisation der Veranstaltung. Das tatsächliche Programm und der Ablauf der Konferenz wurden erst am Abend des 19. November veröffentlicht – wir wussten also bis wir auf dem Mittelpunkt ankamen eigentlich nicht, wann wir mit unseren Vorträgen dran sein würden und mussten uns in diesem Punkt überraschen lassen.

Die technische Betreuung der Vorträge war leider nur sehr rudimentär gegeben. Zwar gab es von der Orga gestellt Beamer, die jedoch zu Beginn des Samstags aufgebaut wurden. Was danach mit diesen Beamern geschah und in welchem Zustand der vorherige Referent den Raum hinterließ, wurde danach jedoch nicht mehr kontrolliert. So kam es dazu, dass wir als Referenten teilweise Leinwand und Beamer wieder selbst aufbauen mussten, nachdem der Vortragende davor alles abgebaut hatte. Dies war sowohl aus zeitlichen Gründen schwierig, da viele Referenten die Zeit ihres Vortrags nicht im Blick hatten und überzogen, als auch aus dem Blickwinkel des technischen Know-How. Wir wissen, wie man einen Beamer bedient und konnten uns gut behelfen, aber das gilt ja ggf. nicht für jeden. Hier wäre etwas mehr Unterstützung und Struktur von Seiten der Organisatoren wünschenswert gewesen.

Ebenso war die Planung der Struktur der Vorträge nicht optimal. Der Vortrag von Sonja zu den Bewegungsalternativen war (neben anderen Vorträgen und Workshops) für Sontag morgen um 9.00 Uhr angesetzt. An sich kein Problem, wenn nicht am Abend vorher die Verleihung des Fred-Preises und die anschließende Party gewesen wäre und viele Teilnehmer lange gefeiert hätten. Zusätzlich mussten die Zimmer bis 9.30 Uhr geräumt sein, was auch dazu beitrug, dass der Vortrag nur sehr schwach besucht war.

Leider war der Vortrag von Sonja auch noch in dem Raum angesetzt, in dem die Party am Vorabend stattfand. An sich auch kein Problem – wenn jemand von der Orga vorher dagewesen wäre, um den Raum wieder in einen vortragstauglichen Zustand zu versetzen. Da dies leider nicht der Fall war, mussten wir Reste der Party (Luftschlangen auf dem Boden, Girlanden an der Wand, an die die Präsentation geworfen werden sollte, zersprungene Gläser und ein aufgeblasenes Krokodil, dass es sich mitten im Raum gemütlich gemacht hatte) beseitigen, um überhaupt Stühle stellen und den Beamer aufbauen zu können.

Fazit:
An sich ist der Mittelpunkt in der Idee eine gute Veranstaltung, weshalb wir ja auch teilgenommen und auch etwas beigetragen haben. Leider entstand bei uns zunehmend der Eindruck, dass die Vorträge bzw. der „fachliche“ Rahmen der Veranstaltung ggf. eher als Vorwand dafür dienten, sich auch außerhalb des LARPs einmal zu treffen, gemeinsam zu feiern und sich darin zu bestätigen, dass alles gut so ist, wie es ist.
Dieser Eindruck wurde durch die strukturelle Qualität der Vorträge bzw. die Themenauswahl und auch durch die teilweise fehlende Professionalität in der Organisation hervorgerufen.

Da es unser erster Mittelpunkt war, können wir nicht beurteilen, ob diese Aspekte der im Gegensatz zu den Vorjahren wohl geringeren Teilnehmerzahl geschuldet waren und ob es auf den vergangenen Mittelpunkten anders zuging. Wir finden diesen etwas enttäuschenden Eindruck, den wir mitgenommen haben, sehr schade. Der Mittelpunkt kann sicherlich eine gute Möglichkeit für themenbezogenes Get-Together und fachlichen Austausch bieten– nur müsste der Austausch dann meiner Meinung nach eben auch ein höheres Maß an Fachlichkeit aufweisen.